Lebendige Nächstenliebe

Mir spuken schon länger Gedanken durch den Kopf, wie ich meinen Mitmenschen helfen kann. Praktisch helfen kann. Denn mir sind in den letzten Monaten zu dem Thema zwei Bibelstellen zu dem Thema wichtig geworden, die ich gerne mit Dir teilen will.

Jesaja 58, 2– 6 (es lohnt sich die Verse 1 – 14 zu lesen)

Ach, für wie fromm sie sich doch halten! Sie rufen Tag für Tag nach mir und fragen nach meinem Willen. Sie kommen gern zum Tempel gelaufen, um meine Nähe zu suchen. Weil sie sich einbilden, nach meinen Geboten zu leben, darum fordern sie von mir auch ihre wohlverdienten Rechte. ›Warum siehst du es nicht, wenn wir fasten?‹, werfen sie mir vor. ›Wir plagen uns, aber du scheinst es nicht einmal zu merken!‹ Darauf antworte ich: Wie verbringt ihr denn eure Fastentage? Ihr geht wie gewöhnlich euren Geschäften nach und treibt eure Arbeiter genauso an wie sonst auch. Ihr fastet zwar, aber gleichzeitig zankt und streitet ihr und schlagt mit roher Faust zu. Wenn das ein Fasten sein soll, dann höre ich eure Gebete nicht!  Denkt ihr, mir einen Gefallen zu tun, wenn ihr bloß auf Essen und Trinken verzichtet, den Kopf hängen lasst und euch in Trauergewändern in die Asche setzt? Nennt ihr so etwas ›Fasten‹? Ist das ein Tag, an dem ich, der HERR, Freude habe? Nein – ein Fasten, das mir gefällt, sieht anders aus: Löst die Fesseln der Menschen, die man zu Unrecht gefangen hält, befreit sie vom drückenden Joch der Sklaverei und gebt ihnen ihre Freiheit wieder! Schafft jede Art von Unterdrückung ab! Teilt euer Brot mit den Hungrigen, nehmt Obdachlose bei euch auf, und wenn ihr einem begegnet, der in Lumpen herumläuft, gebt ihm Kleider! Helft, wo ihr könnt, und verschließt eure Augen nicht vor den Nöten eurer Mitmenschen!

Matthäus 25, 35 – 40 (auch hier lohnt es sich die Verse 31 bis 46 zu lesen):

Denn als ich hungrig war, habt ihr mir zu essen gegeben. Als ich Durst hatte, bekam ich von euch etwas zu trinken. Ich war ein Fremder bei euch, und ihr habt mich aufgenommen. Ich hatte nichts anzuziehen, und ihr habt mir Kleidung gegeben. Ich war krank, und ihr habt für mich gesorgt. Ich war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht.‹ Dann werden sie, die nach Gottes Willen gelebt haben, fragen: ›Herr, wann bist du denn hungrig gewesen, und wir haben dir zu essen gegeben? Oder durstig, und wir gaben dir zu trinken? […] Der König wird ihnen dann antworten: ›Das will ich euch sagen: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder für eine meiner geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan!‹

Mich haben diese Verse sehr nachdenklich gemacht. Wir (und ich schließe mich ausdrücklich mit ein) verhalten uns doch oft recht fromm: Gehen regelmäßig in den Gottesdienst, beten, fasten und lesen Bibel. Diese Dinge sind gut! Aber das ist nicht alles. Wenn unser Beten ohne Frucht ist; unser Fasten ohne die in Jesaja beschriebene Nächstenliebe bleibt und das Bibellesen nicht praktisch umgesetzt wird, dann ist alles nicht viel wert. Warum? Weil es nur um die eigenen Wünsche und Belange geht. Egozentrismus. Ein Egozentrismus, der sich in der Gesellschaft breit macht. Bei uns Christen soll das anders sein? Ist es das? Wie ist das bei uns? Diese Frage muss jeder für sich selbst ehrlich beantworten und die Konsequenzen ziehen.

Viele von uns sind reich genug, um Hungrigen Brot zu geben, Obdachlose aufzunehmen oder in Lumpen gekleidete Menschen mit Kleidung zu versorgen. Das können wir direkt tun oder mit unserem Geld Hilfsorganisationen unterstützen, die genau das tun. Es gibt genug Not.

Oder geben wir von unserem materiellen Überfluss ab. Teilen wir unser Hab und Gut. Zum Beispiel der Kinderschutzbund freut sich über gut erhaltene Kinderkleidung, die wir nicht mehr brauchen. Die Tafeln, die es in vielen Städten gibt, über eine Essensspende.

Selbst wenn wir selbst nur wenig haben, können wir Nächstenliebe praktizieren: Für die kranken Nachbarn einkaufen, vielleicht den älteren von ihnen im Garten Unkraut jäten. Oder sich bei der Tafel, Hospizvereinen, Nachbarschaftshilfe oder Hilfsprojekten selbst engagieren. Wir können das Wort Gottes verbreiten und Menschen so Trost und Zuversicht spenden. Wir können Kranke besuchen oder unsere Talente für die anderen einsetzen. An Weihnachten im Altenheim singen zum Beispiel. Das kostet alles nur etwas Zeit und kein Geld.

Jeder hat Gaben und jeder kann etwas tun nach seinen Möglichkeiten. In meinen Augen gibt es keine Ausrede, von unserem bequemen Sofa aufzustehen und anzupacken. In welcher Form auch immer. Du hast einen Verstand bekommen, den Du einsetzen kannst. Und Gott wird Dir zeigen, was Er von Dir möchte! Wir werden nicht die ganze Welt mit unserer Hilfe retten können. Aber wir können Menschen um uns herum helfen und ihnen das Leben leichter oder schöner machen.

So kommen wir vom „Ich“ zum „Du“. Weg von unserem eigenen Egozentrismus.

Das sind Dinge, die wir tun können. Genauso gibt es „Unterlassungssünden“:

Matthäus 25, 42 bis 45:

Denn ich war hungrig, aber ihr habt mir nichts zu essen gegeben. Ich war durstig, aber ihr habt mir nichts zu trinken gegeben. Ich war als Fremder bei euch, aber ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich hatte nichts anzuziehen, aber ihr wolltet mir keine Kleider geben. Ich war krank und im Gefängnis, aber ihr habt mich nicht besucht.‹ […] Darauf wird ihnen der König antworten: ›Ich versichere euch: Die Hilfe, die ihr meinen geringsten Brüdern und Schwestern verweigert habt, die habt ihr mir verweigert.‹

Das sind klare Worte, die Jesus hier findet. Die Konsequenzen aus diesem Verweigern haben es in sich (Vers 46): Und sie werden der ewigen Strafe ausgeliefert sein. In Jesaja 58, 4 steht: Wenn das ein Fasten sein soll, dann höre ich eure Gebete nicht!

Wir sollen unseren Nächsten lieben, wie uns selbst. Nicht aus Angst vor Strafe, sondern weil wir Gott lieben und Jesus immer ähnlicher werden sollen. Und Er hat sich gerade um die Außenseiter, Kranken, Armen und Hilfsbedürftigen gekümmert. Natürlich gibt es Zeiten, in denen wir mehr tun können und welche in denen wir nicht helfen können oder gar selbst Hilfe brauchen. Ganz klar. Aber alles hat seine Zeit.

Denk drüber nach, wo Du heute stehst. Und dann zieh‘ Deine Konsequenzen draus.

Lass Dir von Gott Liebe zu Deinen Mitmenschen schenken und sage „ja“ zu ihnen.

Öffne Deinen Augen und Dein Herz für deine Mitmenschen.

Denk drüber nach, was Du heute tun kannst.

Rede nicht nur, handle.

Mach aus Deinem Fasten ein echtes Fasten.

Lass Deine Nächstenliebe praktisch werden.

Sei gesegnet!

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